SIGS DATACOM Fachinformationen für IT-Professionals

SOFTWARE MEETS BUSINESS:
Die Konferenz für Software-Architektur
21. - 25. Januar 2019, München

Sessionsdetails

Vortrag: Do 7.1
Datum: Do, 24.01.2019
Uhrzeit: 09:00 - 10:30
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Gestalter, emanzipiert euch! Das Digital-Design-Manifest für eine neue Gestaltungsprofession der IT

Uhrzeit: 09:00 - 09:45
Vortrag: Do 7.1 1)

 

Im Industriedesign stellt niemand infrage, dass das Gestalten guter Produkte eine eigene Profession ist. In der IT-Welt scheinbar schon. Dort gibt es zwar Rollen mit Gestaltungsbezug (bspw. RE und UX), aber keine umfassende und selbstbewusste Gestaltungsprofession.
Der Vortrag stellt das Digital-Design-Manifest zur Etablierung dieser neuen Profession vor. Anhand von Beispielen erfahren die Teilnehmer, wie Digitalvorhaben im Sinne des Digital Design gedacht und im Zusammenspiel mit der Software-Entwicklung erfolgreich realisiert werden können.


Zielpublikum: Alle Menschen mit Bezug zur Konzeption und Realisierung von Software- bzw. Digitalvorhaben
Voraussetzungen: Keine
Schwierigkeitsgrad: Fortgeschritten

Extended Abstract
In der Software-Entwicklung geschieht Gestaltung meist implizit, bspw. durch die Formulierung von Anforderungen eines sogenannten Fachbereichs / Product Owners als Vorgabe für eine umsetzende IT-Organisationen / ein Team. In klassischen Entwicklungssituationen (d.h. der Übertragung verstandener analoger Prozesse in IT-Systeme) war diese Form der Arbeitsteilung zweckmäßig und sinnvoll. Die Herausforderung bestand im Wesentlichen darin, die verstandene Fachlichkeit geeignet einem Entwicklungsprozess zuzuführen.
Für neue Entwicklungssituationen, gerne durch Digitalisierung oder digitale Transformation umschrieben, funktioniert dies nicht mehr: Bei der Digitalisierung existieren zwar analoge Vorbilder, aber es ist keinesfalls sichergestellt, dass Nutzer das Digitale dem Analogen vorziehen. Beispielsweise war nicht klar, dass Nutzer den Bücherkauf im Internet dem Buchladen vorziehen. Folglich müssen digitale Prozesse nicht nur technisch gut gemacht sein, die Nutzer müssen diese auch akzeptieren. Bei der digitalen Transformation existieren keine analogen Vorbilder, da vollkommen neue Strukturen entstehen. Damit ist die Akzeptanz mindestens genauso unsicher.
Ein Beispiel hierfür ist Second Life. Dieses Projekt war in den Anfangsjahren revolutionär, hat aber im Laufe der Zeit die Erwartungen nicht erfüllt und ist mittlerweile im Vergleich zu anderen Entwicklungen uninteressant geworden.
Digitalisierung oder digitale Transformation ist folglich eine Herausforderung für viele Unternehmen. Die Verantwortlichen müssen nicht nur Software, sondern meist ein ganzes Ökosystem gestalten. Weiterhin ist das Risiko des Scheiterns wesentlich größer, da Digitalvorhaben von ihrer Natur wesentlich stärker auf Vermutungen und Annahmen über den Erfolg und die Auswirkungen des Vorhabens beruhen.
Digital Design ist aus einer Bitkom-Initiative (www.bitkom.org/digitaldesign) heraus entstanden und soll diesen Herausforderungen begegnen: Digital Designer gestalten und optimieren digitale Produkte, Systeme und Dienstleistungen. Sie berücksichtigen dabei das Spannungsfeld zwischen den Wünschen und Bedürfnissen der Nutzer, den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und den technischen Möglichkeiten.
Digital Design ist mehr als eine neue Rolle, es versteht sich als selbstbewusste Gestaltungsprofession und definiert sich durch das Digital-Design-Manifest (www.digital-design-manifest.de). Es folgt dem Vorbild des Industriedesigners und ist eine dritte Führungsprofession in der Software-Entwicklung. Der Digital Designer führt auf Augenhöhe mit Projektleitern und Software-Architekten den Entwicklungsprozess aus einer Gestaltungsperspektive.
Aus der Definition ergibt sich ein breit angelegtes und anspruchsvolles Kompetenzprofil, bestehend aus zwei Schwerpunkten und einer breiten Querschnittskompetenz:
- Zur Gestaltung zählen unter anderem die Arbeit mit Anforderungen (Requirements Engineering), die Konstruktion von Benutzungsschnittstellen (Usability Engineering / Interaction Design) und methodische Kompetenz zur Gestaltung.
- Materialkunde ist als Begriff dem Industriedesign entlehnt und meint unter anderem Wissen um die Möglichkeiten und Grenzen von Software, Wissen über die technischen Möglichkeiten von Endgeräten (Desktop, Notebook, Tablet, Smartphone etc.) und Wissen um den grundsätzlichen Aufbau von Software (Software-Architekturen, Frameworks etc.).
- Zur Querschnittskompetenz zählen unter anderem Wissen um Methoden und Vorgehensweisen zum Management von Entwicklungsvorhaben, Wissen um Methoden und Vorgehensweisen zur Entwicklung von Software und wirtschaftliche Aspekte zur Gestaltung/Entwicklung von Software (beispielsweise Geschäftsmodelle).
Die Materialkunde ist dem Industriedesign entlehnt und ein wesentlicher Unterschied zu bisherigen Gestaltungsrollen (bspw. RE und UX) in der Software-Entwicklung. Nur durch ein profundes Verständnis verschiedener Materialen können Industriedesigner hochwertige und nachhaltige Produkte gestalten. Digital Designer müssen analog über ein fundiertes Materialwissen um die Fähigkeiten und Grenzen von Software und IT-Technik verfügen, um dieses Wissen frühzeitig in die Gestaltung von Software einzubringen und um gemeinsam mit Entwicklern und Architekten fundierte technische Lösungen entwickeln zu können.
Eine weitere wichtige Komponente ist Methodenkompetenz. Traditionell passt sich das RE/UX an die im jeweiligen Vorhaben vorgefundene Vorgehensweise an (bspw. V-Modell oder Agile). In innovativen Kontexten hängt die Qualität der entwickelten Systeme maßgeblich vom Prozess der Ideenentwicklung ab. Hierfür haben sich eigene Vorgehensweisen entwickelt (bspw. Design Thinking, Lean Startup oder Design Sprint). Das Digital Design kennt diese Vorgehensweisen und kann das passende Vorgehen definieren, um möglichst hochwertige Ideen zu entwickeln.
Im Vortrag wird zum einen das Digital-Design-Manifest zur Etablierung dieser neuen Profession vorgestellt. Zum anderen erfahren die Teilnehmer anhand von Beispielen, wie Digitalvorhaben im Sinne des Digital Design gedacht und im Zusammenspiel mit der Software-Entwicklung erfolgreich realisiert werden können.

 

Mehr als das! – UX in der Softwarekonzeption ist gut. Doch Digitale Transformation fordert mehr.

Uhrzeit: 09:45 - 10:30
Vortrag: Do 7.1 2)

 

Unter dem Begriff User Experience (UX) haben sich in den letzten Jahren zahlreiche wertvolle Impulse für die Qualität von Software entfaltet. Mit der Digitalen Transformation bewegt sich IT jedoch in einen Gestaltungsraum von neuer Dimension. Hier ist ein neues Designverständnis gefordert. Aus der praktischen Sicht des Wirkens in einem Großkonzern stellt dieser Vortrag Ideen und Ansätze vor, wie UX Teil einer zeitgemäßen Software-Gestaltungsprofession werden kann – und wie „Experience“ als Teil der Enterprise Architecture auf strategischer Ebene behandelt werden kann.

Zielpublikum: Software-Konzipierer (Requirements Engineers, Business Analysts), IT-Consultants, IT-Manager
Voraussetzungen: Grundverständnis von UX
Schwierigkeitsgrad: Fortgeschritten

Extended Abstract
Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos wurde 2017 das wirtschaftliche Potenzial für die Digitale Transformation mit 100 Trillionen Dollar beziffert. Zugleich sind nahezu alle klassischen Geschäftsmodelle außer durch ihre bisherigen Wettbewerber jetzt zusätzlich in die Zange genommen: Auf der einen Seite durch Technical Entrepreneurs und auf der anderen durch Digital Giants wie z.B. Google. Das Kundenerlebnis wird häufig zum entscheidenden Erfolgsfaktor – und Software prägt dieses Erlebnis gleich auf zwei Weisen: Zum einen direkt als digitales Produkt oder Service für den Kunden und zum anderen indirekt, indem sie das Verhalten von digital unterstützten Mitarbeitern wesentlich beeinflusst. Das Nutzererlebnis erfolgreich zu gestalten, ist somit Kernaufgabe auf dem Weg zum Erfolg. Wer die Meisterschaft der Softwaregestaltung beherrscht, kann Potenziale der Digitalen Transformation heben. Unter dem „UX-Schirm“ wurden in den letzten 15 Jahren viele für die Praxis der Softwarekonzeption relevante Diskussionen geführt, Tools entwickelt und Prozessverbesserungen angeregt.
Aus Sicht der IT-Praxis zeigt sich jedoch, dass die UX-Profession im aktuellen Gestaltungsraum noch immer nicht voll angekommen ist. Der Vortrag beschreibt daher zentrale Anforderungen an diese. Nutzerzentrierung ist als zentrales Prinzip auf dem Weg, eine gute UX-Qualität nachhaltig zu verankern. Der Vortrag zeigt hierzu, wie wir Nutzerzentrierung im Enterprise Architecture Management des DB Konzerns integriert haben. Für die operative Planung konkreter Vorhaben stellen wir als Tool eine eigens entwickelte Reifegradmatrix vor.
Durch die enge Verzahnung von UX-Design, Requirements Engineering und Business-Analyse bekommt die Softwaregestaltung eine neue Qualität. Der Vortrag vermittelt Ideen und konkrete Ansätze aus der IT-Praxis der Deutschen Bahn, die zeigen, wie sich UX-Design hierdurch weiterentwickelt – Digital Design und Enterprise Design sind hier für uns die begrifflichen Wegweiser.